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Impressionen: Stettiner Haff

Brutgebiete von Küstenvögeln

Besondere Brutgebiete, in denen Konzentrationen von Küstenvögeln auftreten oder die von besonders gefährdeten Arten genutzt werden, befinden sich infolge ihrer Ansprüche gegenüber Störungsarmut und Prädatorenschutz (Schutz vor Raubsäuger wie Fuchs und Marder) auf kleinen, küstennahen Inseln und Halbinseln oder sonstigen schwer zugänglichen Gebieten wie Feuchtarealen. Einige Arten, insbesondere Watvögel, nutzen Bruthabitate extensiv genutzter Grünlandbiotope mit Vernässungs- und Überflutungsbereichen, so dass ein spezifisches Gebietsmanagement notwendig ist, um nachhaltig den Lebensraumansprüchen zu entsprechen.

Der Küstenvogelschutz stützt sich traditionell auf ein System von Schutzgebieten entlang der Küste, deren Betreuung und der Durchführung gebietsspezifischer Maßnahmen wie kontrollierte Bekämpfung von Raubsäugern, extensive Beweidung von Salzgrasland und Renaturierungsmaßnahmen zur Herstellung natürlicher hydrologischer Verhältnisse. Nachfolgend wird eine kurze Beschreibung der wichtigsten Brutgebiete von Küstenvögeln in der Odermündungsregion vorgenommen (UM M-V 2003a, AG Küstenvogelschutz M-V):

Insel Vilm
An den Steilhängen der Insel Vilm sind Brutkolonien der Uferschwalbe (Riparia riparia) vorzufinden. Neben den Baumhöhlenbrütern Gänsesäger (Mergus merganser), Dohle (Corvus monedula), Hohltaube (Columba oenas) und Waldkauz (Strix aluco) brütet ein Seeadlerpaar (Haliaeetus albicilla) auf Vilm und es sind auch brütende Brandgänse (Tadorna tadorna) bekannt. Die Haken der Insel nutzen Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) und Rotschenkel (Tringa totanus) zur Brut.

Greifswalder Oie
In der offenen Gehölzlandschaft der Oie brüten verschiedene Gebüschbrüter wie Neuntöter (Lanius collurio), verschiedene Grasmückenarten wie z.B. die Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) sowie der Karmingimpel (Carpodacus erythrinus). Eine größere Uferschwalbenkolonie befindet sich im Kliff der Insel. Sturmmöwe (Larus canus) und Silbermöwe (Larus argentatus), Höckerschwan (Cygnus olor), Brandgans, Eiderente (Somateria mollissima), Gänsesäger und Teichralle (Gallinula chloropus) als Vertreter der See- und Wasservögel brüten hier ebenfalls.

Freesendorfer Wiesen/Struck
Freesendorfer Wiesen und Struck waren als Brutgebiet für Watvögel wie Kiebitz (Vanellus vanellus), Rotschenkel, Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Sandregenpfeifer und Austernfischer (Haematopus ostralegus) bekannt, deren Bestände jedoch in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind. Außerdem brüten Graugänse (Anser anser), Brandgänse, Stockenten (Anas platyrhynchos) und Höckerschwäne in dem Gebiet.

Insel Großer Wotig
Die Insel ist traditionelles Brutgebiet für Wat- und Küstenvögel wie Alpenstrandläufer, Rotschenkel, Kiebitz, Bekassine (Gallinago gallinago), Austernfischer, Sandregenpfeifer, Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) und Flussseeschwalbe (Sterna hirundo). Außerdem sind Graugans, Brandgans, Höckerschwan und Schnatterente (Anas strepera) mit Brutaktivitäten vertreten.

Inseln Böhmke und Werder
Auf den Inseln gibt es große Kolonien der Lachmöwe (Larus ridibundus) und Flussseeschwalbe. Das Schutzgebiet ist weiterhin Brutplatz von Stockente, Schnatterente, Reiherente (Aythya fuligula) und Tafelente (Aythya ferina), von Graugans und Brandgans sowie Höckerschwan, Haubentaucher (Podiceps cristatus), Blässralle (Fulica atra) und Teichralle.

Murchiner Wiesen und Polder Görke
Die Murchiner Wiesen und der Polder Görke sind ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebiete im Peenetal bei Anklam, deren hydrologische Verhältnisse im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen verändert wurden. Infolge der damit verbundenen Habitatveränderungen nutzen verschiedene Brutvögel das Gebiet. Bemerkenswert ist die Ansiedlung der Weißbart-Seeschwalbe (Chlidonias hybridus) seit 1998. Außerdem treten Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis), Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana) und Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) auf.

Anklamer Stadtbruch
Das seit 1935 bestehende Naturschutzgebiet wurde durch Hochwasserereignisse im Jahr 1995 großflächig überflutet und erfuhr dadurch starke landschaftliche und ökologische Veränderungen in Teilgebieten. Aufgrund der vielfältigen Struktur bietet das Gebiet verschiedenen Vogelarten wie Rothalstaucher (Podiceps grisegena) und Schwarzhalstaucher, Tüpfelsumpfhuhn und Trauerseeschwalbe sowie auch Seeadler, Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Kranich (Grus grus), Wendehals (Jynx torquilla), Waldwasserläufer (Tringa ochropus), Sperbergrasmücke, Zwergschnäpper (Ficedula parva), Schlagschwirl (Locustella fluviatilis) und Karmingimpel gute Brutbedingungen. Außerdem ist eine ausgedehnte Kolonie von Kormoranen (Phalacrocorax carbo) vorzufinden.

Riether Werder
Auf dem Riether Werder brüten Wasser- und Watvögel wie Krickente (Anas crecca), Stockente, Knäkente (Anas querquedula), Löffelente (Anas clypeata), Graugans, Brandgans, Höckerschwan, Kiebitz, Uferschnepfe (Limosa limosa) und Rotschenkel.

Delta Świny
Das Binnendelta der Świna (Swine) besteht aus einer Vielzahl von Inseln unterschiedlicher Größe sowie den Polderflächen bei Karsibór. Die Inseln gehören überwiegend zum Woliński Nationalpark, während die extensiv genutzten Wiesen und Weiden im Naturschutzgebiet Karsiborska Kępa vom Polnischen Vogelschutzbund OTOP betreut werden. Wichtige Brutvorkommen im Delta haben Alpenstrandläufer, Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) und Silbermöwe.

Pobrzeze Południowe
Das weitgehend naturbelassene Südufer des Stettiner Haffs wird von Steilufern, Röhrichten und Buchenwäldern geprägt. Hier brüten z.B. Schellente (Bucephala clangula), Brandgans und Flussuferläufer (Actitis hypoleucos).

Odstojniki ścieków Zakładów Chemicznych “Police“
Die Klärteiche bei Police sind ein bedeutendes Rastgebiet für Schwimm- und Tauchenten sowie Seeschwalben zur Zugzeit. In diesem von Flachwasser geprägten Lebensraum brüten auch zahlreiche Wasservögel, darunter Zwergdommel (Ixobrychus minutus), Lachmöwe, Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) und Schwarzhalstaucher.

Szczucznik
In diesem Moorgebiet hat der Torfabbau zahlreiche wassergefüllte Torfstiche hinterlassen. Dadurch ist das Gebiet sehr reich an Tier- und Pflanzenarten der Feuchtgebiete. Zu den Vögeln der Torfstiche zählt auch die Trauerseeschwalbe.

Wyspa Adamowa
Die von Röhricht dominierte Insel im Oderstrom ist Brutplatz für etliche Vogelarten wie die Brandgans, während die umgebenden Wasserflächen im Herbst ein wichtiges Rastgebiet für nordische Wasservögel darstellen.

Łąki Skoszewskie
Die Wiesen bei Skoszewo waren früher ein bedeutendes Brutgebiet für Wiesenlimikolen. Durch Entwässerung, später auch durch Nutzungsaufgabe, sind deren Bestände deutlich zurückgegangen. Dafür brüten heute zahlreiche Wasservögel im Gebiet. Im Frühjahr rasten hier regelmäßig Kampfläufer (Philomachus pugnax).

Pólwysep Rów
In den Seggenriedern und Röhrichten der Halbinsel brüten Feuchtgebietsvögel wie Schnatterente und Rohrschwirl (Locustella luscinioides). Zu hoffen ist, dass durch Beweidung mit Rindern die rückläufigen Bestände von Wiesenbrütern wieder anzuheben sind.

Łąki Chrzaszczewskie
Viele Vögel der Feuchtgebiete wie Rotschenkel, Lachmöwe und Brandgans brüten in diesem Feuchtgebiet.

Gardzka Kępa, Łąki Dusińskie i Połchowskie
Auf der Insel Gardzka Kępa befindet sich eine Graureiherkolonie (Ardea cinerea). Auf den Nasswiesen bei Dusino brüten Enten und andere Wasservögel, hier und in der benachbarten Bucht Zatoka Cicha sammeln sich zur Zugzeit weitere Wasservögel.

Karte: Vogelfauna
Verwendete Quellen für die kartographische Darstellung:
Hälterlein, B., P. Südbeck, W. Knief & U. Köppen (2000): Brutbestandsentwicklung der Küstenvögel an Nord- und Ostsee unter besonderer Berücksichtigung der 1990er Jahre. Vogelwelt 121: 241-268.
Köppen, U. (1995): Brutbestände der Küstenvögel in Schutzgebieten Mecklenburg-Vorpommerns 1995. Seevögel 18: 20-24.
Köppen, U. & G. Graumann (1998): Brutbestände der Küstenvögel in Schutzgebieten Mecklenburg-Vorpommerns 1993, 1994 und 1996. Seevögel 19 (1): 11-16.
Köppen, U. & G. Graumann (1999): Brutbestände der Küstenvögel in Schutzgebieten Mecklenburg-Vorpommerns 1997. Seevögel 20 (2): 49-51.
Köppen, U. (2000): Brutbestände der Küstenvögel in Schutzgebieten Mecklenburg-Vorpommerns 1998. Seevögel 21 (2): 55-57.
Köppen, U. (2001): Brutbestände der Küstenvögel in Schutzgebieten Mecklenburg-Vorpommerns in den Jahren 1999 und 2000. Seevögel 22 (4): 104-105.
 
Weitere verwendete Quellen:
UM M-V (Hrsg.)(2003a): Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern. Umweltministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin.