
Muscheln sind als Bioindikatoren geeignet, da sie verschiedene Voraussetzungen erfüllen (Oehlmann & Schulte-Oehlmann 2002, IfAÖ 1999):
International werden im Rahmen der Überwachung des Gütezustandes von Gewässern Muschelbestände auf ihre Belastung mit Schwermetallen und organischen Schadstoffen untersucht. Im Küstenbereich von Mecklenburg-Vorpommern erfolgen seit 1994 einmal jährlich Beprobungen an Miesmuscheln im Rahmen des Bund-Länder-Messprogramms im Zusammenhang mit HELCOM-Verpflichtungen. Die Untersuchungen werden an Miesmuscheln (Mytilus edulis) von 6 Probennahmerevieren in den Küstengewässern durchgeführt. Die Probennahmeorte befinden sich in der inneren Wismar-Bucht (Wendorf), nordöstlich der Insel Poel, in der Unterwarnow (Werftstandort/Warnemünde), nördlich Warnemünde, nördlich Zingst und nördlich Usedom (Sordyl 2000). Da in stark ausgesüßten östlichen inneren Küstengewässern keine Miesmuscheln vorkommen, wurden im Rahmen von zwei Pilotstudien an zwei Standorten im Peenestrom und im Kleinen Haff Dreikantmuscheln (Dreissena polymorpha) beprobt. Ähnlich wie die Miesmuschel, ist die Dreikantmuschel ebenfalls weit verbreitet, festsitzend und in ausreichender Zahl vorhanden. Im Rahmen des Küstenmonitorings werden nachfolgende Schadstoffe in den Muscheln analysiert: Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) polychlorierte Biphenyle (PCB: Nr. 28, 52, 101, 110, 118, 138, 153, 180, 194 nach Ballschmiter 1980), Organochlorpestizide (OCP: mit den Verbindungen: α-HCH, β-HCH, γ-HCH, δ-HCH und o,p´-DDT, p,p´-DDT, p,p´-DDE, p,p´-DDD, HCB und die Schwermetalle Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber und Zink). Seit 1998 erfolgen im Rahmen von ergänzenden Pilotstudien Erfassungen von biologischen Schadstoffeffekten in Muscheln. Die aquatische Gewässergüteüberwachung ist bestrebt, die Komplexität der chemischen, physikalischen und biologischen Vorgänge im Gewässer konzeptionell zu berücksichtigen. Einen Beitrag hierzu liefern sowohl Informationen über die Bioverfügbarkeit von Schadstoffen in Organismen als auch über die biologischen Effekte, die diese Stoffe in den Tieren bewirken (Gercken et al. 2002). Des Weiteren werden in einem zweijährigen INTERREG-Projekt für das gesamte Oderästuar Biomarker-Untersuchungen an Fischen und Muscheln als Indikatoren für die Gewässerqualität vorgenommen. Die Untersuchung von Biomarkern erfolgt an ausgewählten Testorganismen (Bioindikatoren), die u.a. aufgrund ihrer Reaktion auf Stressfaktoren, ihrer Standorttreue und ökologischen Relevanz ausgewählt wurden. Als zu untersuchende Organismen wurden die Plötze (Rutilus rutilus) und die Dreikantmuschel ausgewählt. Der Gewässergütebericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern fasst die Untersuchungsergebnisse der Schadstoffgehalte der Muscheln der Jahre 2000 und 2001 folgendermaßen zusammen (LUNG M-V 2004): Hinsichtlich der Schwermetallbelastung der untersuchten Mies- und Dreikantmuscheln der Jahre 2000 und 2001 konnten nur geringfügige Unterschiede zwischen den Beprobungsstationen festgestellt werden. So weisen die Dreikantmuscheln aus dem Peenestrom und dem Kleinen Haff eine 2- bis 3-mal höhere Belastung mit Blei als die Miesmuscheln auf. Dagegen waren hohe Cadmiumgehalte für die Miesmuscheln nördlich der Insel Usedom zu verzeichnen, was auf die Cadmium-Belastung der Schwebstoffe vor Usedom durch den Eintrag der Oder zurückgeführt wird. Im zeitlichen Vergleich der Spurenmetallgehalte von Miesmuscheln an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns können für den bisher betrachteten Zeitraum von 1994 außer für Arsen, welches eine abnehmende Belastungstendenz aufweist, keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden. Bei den Organochlorpestiziden (Hexachlorcyclohexan-Isomere [HCH] und Hexachlorbenzol [HCB]) wurden in den Jahren 2000 und 2001 keine markanten Belastungssituationen festgestellt. Die Kontamination mit HCB war sehr gering oder nicht mehr nachweisbar. Die durchschnittlichen Gesamtgehalte an DDT (Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan) lagen für die untersuchten Muscheln in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns zwischen 8,6 und 92,7 µg/kg, wobei im Jahr 2000 hohe Gehalte für die Dreikantmuscheln im Haff festgestellt wurden (Gesamt-DDT: 55,1 µg/kg TM im zentralen Kleinen Haff). Die Gehalte an PCB (Polychlorierte Biphenyle) der Muscheln waren in den Jahren 2000 und 2001 für das Oderästuar und nördlich der Insel Usedom gering. |
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Verwendete Quellen:Gercken, J., B. Bernau, B. Göbel, C. Möller, U. Illmann, H. Kurpjuhn & H. Schulze (2002): Schadstoffuntersuchungen an Miesmuscheln in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns 2000, 2001. Unveröff. Berichte im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern.Gercken, J., H. Sordyl, B. Bernau, K. Brosda, B. Göbel, M. Kreuzberg & H. Schulze (2002): Schadstoffkonzentrations-und Schadstoffeffektmonitoring an der Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha) aus Gewässern in Mecklenburg-Vorpommern 2000, 2001. Unveröff. Bericht im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern. IfAÖ (1999): Untersuchungen zur Saisonalität von Schadstoffkonzentrationen und -effekten in Miesmuscheln. Gutachten des Institutes für Angewandte Ökologie GmbH im Auftrag der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Neu Broderstorf. LUNG M-V (2004): Gewässergütebericht 2000/2001/2002. Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie. Oehlmann, J. & U. Schulte-Oehlmann (2002): Molluscs as bioindicators. In: Markert, B.A., A.M. Breure & H.G. Zechmeister: Bioindicators and biomonitors. Chapter 7. Sordyl, H. (2000): Auswertung des Küstenmonitorings Mecklenburg-Vorpommern. Teil: Schadstoffmonitoring in Miesmuscheln 1994 bis 1999. Im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, 58 S. |