
| Die Ostsee ist ein erst in jüngster geologischer Vergangenheit entstandenes Meer, dessen Entwicklungsgeschichte sich in den heutigen Sedimenten und der Verteilung der Substrate widerspiegelt. Die Ausprägung des Meeresbodens ist das Ergebnis der eiszeitlichen Ablagerungen, deren Erosion bzw. Abrasion an Kliffküsten und am Seegrund, der Transportprozesse, der strömungsabhängigen Ablagerung der Sedimente sowie der sich dabei vollziehenden Sortierung der Substrate. Die korngrößenbezogene Klassifikation der Sedimente vollzieht sich entsprechend den hydrodynamischen Bedingungen in den Seegewässern, sodass eine tiefen- und strömungsabhängige Zonierung der Oberflächensedimente zu verzeichnen ist. Die rezenten Oberflächensedimente der Ostsee lassen sich im Wesentlichen in die drei Haupttypen der Geschiebemergel-Restsedimente, der marinen Sande und der schluffig-schlickigen Sedimente gliedern. Restsedimente entstehen durch die selektive Abrasion von Geschiebemergel, bei der nur die feineren Komponenten (Ton, Silt, Fein- bis Mittelsand) abtransportiert werden. Restsedimentflächen sind Indikatoren für Erosionsgebiete. Sie treten vor den Küsten in Wassertiefen von ca. 5-15 m sowie auf submarinen Schwellen als wenige Dezimeter mächtige Schicht über Geschiebemergel auf. Sie setzen sich in der Regel aus Grobsand, Kies und Steinen zusammen. Marine Sande bestehen im Wesentlichen aus Fein- bis Mittelsanden mit einem engen Korngrößenspektrum („gute“ Sortierung) und umgeben die submarinen Erosionsgebiete. Feinkörniges Material, welches als Schlick bezeichnet wird, setzt sich in den tieferen Becken und Rinnen mit ruhigem Wasser ab. Schlick weicht von der gängigen, auf Korngrößen basierenden Klassifikation ab, da neben der Korngröße (Schluff) der hohe Gehalt an organischem Kohlenstoff (bis zu ca. 10 % der Trockensubstanz) ein charakteristisches Merkmal ist (Seibold et al. 1971, Köster & Lemke 1996, Schwarzer & Diesing 2003). Die Bedeutung der Sedimentverhältnisse im Ökosystem der Seegewässer äußert sich vor allem als Standortgegebenheit für das Benthos und der Funktionen im Stoffhaushalt hinsichtlich Akkumulation, Umwandlung und Freisetzung von Nähr- und Schadstoffen. Die Sedimente der Pommerschen Bucht sind großflächig sehr einheitlich und bestehen meistens aus Feinsanden, die unterschiedliche, oft geringe Schlickanteile enthalten. In Küstennähe befinden sich an Abrasionsküsten auch gröbere Sedimente und Blockfelder. Der Greifswalder Bodden ist morphologisch und sedimentologisch sehr vielgestaltig, wobei eine Gliederung in einen das homogene Westbecken einnehmenden Schlickbereich und einen differenzierten, mehr sandigen, exponierten Ostteil zu verzeichnen ist. Schlick ist ab einer Wassertiefe von über 6 m das vorherrschende Sediment (Lampe & Meyer 1995). Die Bodenbedeckung des Greifswalder Boddens besteht im Bereich der Schorre und des Flachwassers durchweg aus Sanden, die mit zunehmender Tiefe feiner werden. Auf Geschiebemergel-Abrasionsplatten dominieren vor aktiven Kliffen die Geröll- und Blockgründe. Auf den Bodenschwellen steht vielfach Geschiebemergel an (Reinicke 1989). Im Oderhaff sind unterhalb einer Wassertiefe von ca. 3,5 m schlickige Sedimente anzutreffen (ca. 54 % des Untergrundes nach Osadczuk & Wawrzyniak-Wydrowska 1998). In den flacheren Rand- und Schwellenbereichen des Haffs sind feinkörnige Sande und schlickige Sande vorzufinden. Im Übergangsbereich zwischen dem Kleinen und Großen Haff sind auch in größeren Wassertiefen von über 5 bis 6 m Sande verbreitet. Der zentrale und südliche Teil des Großen Haffs wird von der Sedimentation der Oder beeinflusst. Insbesondere im Bereich des Schifffahrtskanals werden schluffig-schlickige Sedimente mit hohen organischem Gehalt sedimentiert (Osadczuk & Wawrzyniak-Wydrowska 1998, Lampe & Meyer 1995). |
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Verwendete Quellen für die kartographische Darstellung:GLA M-V (1994): Geologische Karte von Mecklenburg-Vorpommern – Oberfläche Übersichtskarte 1 : 500.000 (GÜK). Geologisches Landesamt M-V.Osadczuk, A. & B. Wawrzyniak-Wydrowska (1998): Sediments in the Szczecin Lagoon: Selected elements and macrozoobenthos. In: Greifswalder Bodden und Oderästuar – Austauschprozesse (GOAP) - Greifswalder Geographische Arbeiten, 16. Kramarska, R. (1995): Surficial bottom sediments. Geological Atlas of Southern Baltic. Table XXIV. Polish Geological Institute. |
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Weitere verwendete Quellen:Köster, R. & W. Lemke (1996): Morphologie und Bodenbedeckung. In: Rheinheimer, G. (Hrsg.): Meereskunde der Ostsee (2. Aufl.), Berlin (Springer), S. 34-42.Lampe, R. & H. Meyer (1995): Sedimentqualität und hydrographische Bedingungen – ein Vergleich verschiedener Boddengewässer. BODDEN Nr. 2/1995, S. 7-26. Schwarzer, K. & M. Diesing (2003): Erforschung der FFH-Lebensraumtypen Sandbank und Riff in der AWZ der deutschen Nord- und Ostsee. FKZ-Nr. 802 85 270. 2. Zwischenbericht. Institut für Geowissenschaften Christian-Albrechts-Universität. Kiel. Seibold, E., Exon, N., Hartmann, M., Kögler, F.-C., Krumm, H., Lutze, G.F., Newton, R.S. & F. Werner (1971): Marine geology of Kiel Bay. In: Müller, G. (Hrsg.): Sedimentology of parts of Central Europe. Guidebook. VIII. Int. Sediment. Congress 1971: 209-235. |