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Impressionen: Stettiner Haff

IKZM-Oder: Hintergrund

Regionale Probleme in der Odermündungsregion

Das Oderästuar bildet eine ländliche Grenzregion zwischen Deutschland und Polen, die sich durch ein hohes naturräumliches Potential mit vielfältiger Landschaft und prägenden großen Küstengewässern auszeichnet. Die gesamte Region leidet unter massiven wirtschaftlichen Problemen und starken Gradienten zwischen Ost und West sowie Küste und Hinterland. Die derzeit rasante touristische Entwicklung bildet den wichtigsten Hoffnungsträger. Demzufolge stellen die touristische Entwicklung einerseits und die Umwelt andererseits die zentralen regionsspezifischen Themen dar, die aber mit zahlreichen anderen Nutzungen im Konflikt stehen. Bemerkenswert ist zudem der zunehmende Grenzverkehr zwischen Deutschland und Polen, dessen massive Intensivierung durch die Mitgliedschaft Polens in der EU zu erwarten ist. Durch den Beitritt wird eine intensivierte deutsch-polnische Zusammenarbeit und eine Abstimmung der Planungs- und Managementaktivitäten erforderlich sowie ein Transfer von Wissen und Erfahrungen.

Tourismus- und Umweltqualität lassen sich nur unter Berücksichtigung der anderen Nutzungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung verknüpfen und machen ein umfassendes regionales Integriertes Küstenzonenmanagement (IKZM) erforderlich. Gleichzeitig muss IKZM grenzübergreifend angelegt sein. Eine Abstimmung von Methoden und Strukturen zwischen Deutschland und Polen ist daher dringend erforderlich.

Die Küstengewässer werden massiv und vielfältig durch die Oder mit ihrem 120.000 km² großen Einzugsgebiet belastet. Etwa 90 % des Einzugsgebietes liegen auf polnischer Seite. Starke Eutrophierung und Wasserqualitätsprobleme sind die Folge der anhaltenden Nähr- und Schadstoffeinträge. Sie werfen sowohl Probleme für die touristische Entwicklung als auch für den Naturschutz in Deutschland und Polen auf. An den Gewässern wird die Notwendigkeit der Kopplung von Einzugsgebiet und Küste deutlich, denn Einzugsgebietsmanagement ist hier gleichzeitig Küstengewässermanagement. Die Küstengewässer werden bei der Raumplanung und dem IKZM bislang noch zu sehr vernachlässigt. Die systematische Einbindung der Gewässer - zentrale Elemente der Landschaft - spielt in dieser Region eine entscheidende Rolle. Die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge sind durch zahlreiche Projekte gut untersucht und es wurden verschiedene Werkzeuge entwickelt, durch die ein Küstengewässermanagement realisiert werden kann.

Was ist Integriertes Küstenzonenmanagement (IKZM)?

Gemäß der Definition der Europäischen Kommission ist IKZM ein dynamischer, kontinuierlicher und iterativer Prozess, durch den die nachhaltige Entwicklung der Küstenzonen erreicht werden soll. Es sucht ein Gleichgewicht zwischen den Vorteilen

Dies alles soll innerhalb der durch die natürliche Dynamik und Belastbarkeit gesetzten Grenzen geschehen. IKZM ist dabei als zyklischer Prozess zu verstehen, der Informationssammlung, Entscheidungsfindung, Management sowie die Überwachung des Erfolgs beinhaltet. IKZM ist also nicht auf ‘Management’ beschränkt.

Der Begriff ‘integriert’ bezieht sich auf die gleichzeitige Integration

Vereinfachend wird von einer gleichzeitigen räumlichen und zeitlichen sowie horizontalen und vertikalen Integration gesprochen. Aus den Definitionen wird deutlich, dass IKZM eine nachhaltige Entwicklung der Küstenzonen zum Ziel hat. Das Ziel ist somit identisch mit den Zielen der Agenda 21. IKZM stellt gewissermaßen eine Agenda 21-Umsetzungsstrategie für den Küsteraum dar.

Agenda 21 und Integriertes Küstenzonenmanagement

Das Integrierte Küstenzonenmanagement (IKZM) ist eng mit dem Agenda 21-Prozess zur nachhaltigen Entwicklung verknüpft.

1992 fand die United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) in Rio de Janerio, Brasilien, statt. Die resultierende Agenda 21 oder die Erklärung von Rio zur nachhaltigen Entwicklung wurde von 178 Staaten unterzeichnet. Als Programmelemente werden u.a. auch das integrierte Management und die nachhaltige Entwicklung von Küsten und Meeren genannt.

Als Folge davon entstanden verschiedene regionale Initiativen, wie beispielsweise die Baltic 21, die Agenda 21 für den Ostseeraum. Diese wurde auf der 7. Ministersitzung des Ostseerats 1998 in Nyborg, Dänemark verabschiedet. Der Schwerpunkt der Baltic 21 liegt auf der regionalen Zusammenarbeit, dem Umweltbereich und seinem Einfluss auf wirtschaftliche und soziale Aspekte der nachhaltigen Entwicklung. Unter den Aktionen im Bereich der Raumplanung wird genannt:

Eine weitere exemplarische regionale Agenda 21 bildet die für das deutsch-polnische Stettiner Haff „Agenda 21 Stettiner Haff – Region zweier Nationen“. Sie basiert auf einer Vereinbarung zwischen dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern und der Woiwodschaft Westpommern vom September 2002. Sie umfasst insgesamt 10 Handlungsbereiche, darunter:

Die Dokumente zeigen, dass das Integrierte Küstenzonenmanagement sehr wesentlich auf die Agenda 21 Initiativen zurückgeht. Dies gilt vor allem für küstenbezogene, regionale Agenden, da sich ihre Bezugsräume problemlos mit denen des IKZM in Einklang bringen lassen. Auf lokaler, kommunaler Ebene ist dies schwieriger, aber auch hier können Agenda 21-Prozesse und Strukturen sinnvoll für IKZM genutzt werden. Die „Regionale Agenda 21 Stettiner Haff – Region zweier Nationen“ bildet deshalb eine sinnvolle Grundlage für regionale Aktivitäten zum IKZM in der Odermündungsregion. Vor diesem Hintergrund wurde das Forschungsprojekt „IKZM-Oder“ als ein nationales Projekt zum IKZM ausgewählt und erhält eine Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Aktivitäten der Europäischen Kommission zum Integrierten Küstenzonenmanagement

Küstengebiete zeichnen sich durch hohe Bevölkerungskonzentration, außerordentliche ökologische Bedeutung und große ökonomische Wertschöpfung aus. Es bestehen dadurch intensive Nutzungen und vielfältige Nutzungskonflikte. Gleichzeitig zeigt dieser Raum große Dynamik und eine weitere Intensivierung der Aktivitäten in der Zukunft wird prognostiziert. Dies gilt insbesondere für den Ostseeraum, dem durch die Ost-Erweiterung der Europäischen Union eine starke wirtschaftliche Dynamik vorhergesagt wird. Zudem werden die Küstengebiete durch globale Klimaänderungen und den Meeresspiegelanstieg massiv bedroht.

Die Küstenzonen sind also Brennpunkte, in denen sich Probleme massiv konzentrieren. Gleichzeitig besteht vielfach ein Missmanagement der Küstengebiete Europas durch Informations-, Koordinations- und Partizipationsdefizite. Dies gilt auch für Deutschland. Bemängelt wird beispielsweise:

Durch diese Probleme veranlasst, hat die Europäische Kommission 1999 ein erstes Reflektionspapier „Eine europäische Strategie für das integrierte Küstenzonenmanagement (IKZM): Allgemeine Prinzipien und politische Optionen“ herausgegeben. Im Mai 2002 folgten dann die konkreten Empfehlungen des europäischen Parlaments und des Rates zur Umsetzung einer Strategie für ein integriertes Management der Küstengebiete in Europa (2002/413/EG). 45 Monate nach Annahme dieser Empfehlung, also 2006, hatten die Mitgliedstaaten der Kommission Bericht über die Erfahrungen, die sie bei ihrer Umsetzung gesammelt haben, zu erstatten. Die Europäische Kommission wurde durch diese Initiativen zu einem Vordenker und Motor für IKZM.

Bei der Evaluierung der 35 Demonstrationsprojekte zum Küstenzonenmanagement in Europa (1999) durch die Europäische Kommission werden zwei wichtige und teilweise unerwartete Aspekte herausgestellt: die Bedeutung der Wissenschaft im IKZM und die Notwendigkeit regionaler Ansätze. Die Europäische Kommission sieht die Aufgabe der Wissenschaft im IKZM nicht nur in der Durchführung anwendungsorientierter Forschung, der Entwicklung von Managementwerkzeugen und Modellen sowie in der Beratung und Unterstützung, sondern auch im Initiieren von IZKM und der Moderation von Aktivitäten. Dabei wird deutlich, dass IKZM selbst keine Wissenschaft darstellt, Wissenschaft aber eine wichtige und permanente Rolle im IKZM-Prozess spielt.

Nur regionale Ansätze erlauben ein effizientes IKZM, da überschaubare Strukturen und Konfliktfelder bestehen. Die Ergebnisse regionaler Ansätze sind konkret genug für Übertragungen auf andere Küstenzonen und erlauben die Ableitung realistischer, übergeordneter Strategien. Vor diesem Hintergrund ist die Ausschreibung des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für zwei regionale Forschungsvorhaben zum nachhaltigen Küstenzonenmanagement zu sehen.

Ausschreibung zum IKZM

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ab 2004 zunächst zwei regionale Forschungsvorhaben für ein nachhaltiges Küstenzonenmanagement. Es handelt sich um die Partner-Projekte „IKZM-Oder“ sowie „Zukunft Küste“, welches am schleswig-holsteinischen Wattenmeer angesiedelt ist.

Hintergrund der Förderung sind folgende Feststellungen (Förderrichtlinien vom Juli 2002):
Weltweit sind die Küsten ständig steigenden menschlichen Nutzungsansprüchen ausgesetzt. Damit besteht die Gefahr, dass sie nicht nur ihren natürlichen Zustand, sondern auch ihre ökologischen und sozioökonomischen Funktionen verlieren. Es ist deshalb eine Aufgabe der Zukunftsvorsorge, Konzepte zu entwickeln und anzuwenden, die eine nachhaltige Nutzung der Küstenräume gewährleisten. Ein Systemansatz, der diesem Anspruch gerecht wird, ist das Integrierte Küstenzonenmanagement (IKZM), das international zunehmend zum Tragen kommt.

Das IKZM verfolgt politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Belange auf der Grundlage des Prinzips der Nachhaltigkeit. Ein Ziel ist es, eine von Konsens getragene nachhaltige Küstenentwicklung zu unterstützen und zumindest Interessenkonflikte unter den vielgestaltigen Nutzungsansprüchen zu minimieren bzw. zu vermeiden.

In Deutschland wird das Küstenzonenmanagement von Bund und Ländern bisher überwiegend mit sektoralen Zuständigkeiten durchgeführt. Entwicklung und Umsetzung von Küstenzonenmanagementkonzepten werden einer flankierenden wissenschaftlichen Begleitung bedürfen. Hier setzt die BMBF-Förderung im Rahmen des Programms der Bundesregierung „Meeresforschung“ an. Durch gezielte Projektförderung können die sich ergebenden wissenschaftlichen Fragen bearbeitet werden. Bei der Umsetzung der Projekte ist dabei auf das bereits bestehende umfangreiche Wissen der verschiedenen Disziplinen der Küstenforschung zurückzugreifen. Die Projektergebnisse sollten zur Entwicklung einer nationalen IKZM-Strategie genutzt werden können, wie sie vom Europäischen Parlament und Rat empfohlen wird (Dokument 2002/413/EC).

Projekt-Grundlagen

Übergeordnete Grundlagen für das Projekt sind die

Das Projekt basiert zusätzlich auf konkreten regionalen Vorarbeiten und Dokumenten, die den Stand, die Notwendigkeiten und den Bedarf dokumentieren. Auf diesen Grundlagen und aus ergänzenden Gesprächen mit Ministerien und regionalen Behörden leiten sich die Ziele und konkreten Aufgaben des Projektes ab.

Die Ergebnisse des Projektes sollen Eingang in internationale Aktivitäten finden und einen konkreten deutschen Beitrag zum internationalen IKZM bilden. Aus diesem Grund werden die Empfehlungen und Richtlinien verschiedener Organisationen einbezogen, u.a.:

Förderung

Das Projekt IKZM-Oder wird in mehreren Phasen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert sowie von weiteren Einrichtungen unterstützt. Näheres hierzu finden Sie hier.