Logo


Küsteninformationssystem Odermündung


Förderer
Diese Seite auf Deutsch Strona w jezyku polskim This page in English 
Impressionen: Stettiner Haff

Küstenschutz


Die Küste von Mecklenburg-Vorpommern ist lang. Entlang von stolzen 1.712 km treffen Land und Wasser aufeinander. Davon werden 354 km der Außenküste zugerechnet und weitere 1.358 km werden als Binnenküste gezählt. Unter Binnenküsten versteht man hierbei die Küsten, die durch zwischengelagerte Wasserflächen (z.B. Bodden- oder Haffküste) von der offenen Ostsee getrennt werden. Dabei hat Usedom mit 301 km nach Rügen die zweitgrößte Boddenküste des Landes. Zusammen mit der Schwesterinsel Wolin bildet Usedom zugleich die nördliche Begrenzung des Stettiner Haffs, so dass Verbindungen zu offenen See nur über den Peenestrom (in den Greifswalder Bodden) sowie die Swina und die Dziwna (in die Pommersche Bucht) bestehen.
Küste schützen – Warum? & Wo?
Wie an allen Küsten führen auch auf Usedom und Wolin die tagtägliche Beanspruchung durch den Menschen und das Einwirken der natürlichen Kräfte zu einer ständigen Veränderung der Küstenlinie. So sind 70 % der mecklenburg-vorpommerschen Außenküste durch Küstenrückgang gekennzeichnet. Dies bedeutet, dass die Abrasion/Erosion von Sedimenten größer ist als ihre Akkumulation. Der durchschnittliche Rückgang in 100 Jahren beträgt rund 34 m. Einige Extremwerte belaufen sich sogar auf 90-210 m Rückgang/Jahrhundert. Demgegenüber überwiegt die Akkumulation lediglich an 7 % unserer Außenküste. An diesen Stellen kommt es zu Nehrungs- und Hakenbildungen. So ist beispielsweise das größte Anlandungsgebiet Mitteleuropas, Darßer Ort, in den letzten 300 Jahren etwa 2,5 km in Richtung Ostsee gewachsen. Auf Usedom stellt der Peenemünder Haken im Nordwesten der Insel mit 14 km Länge einen der größten Flachküstenbereiche an unserer Außenküste dar. Hier wurde auf einer Länge von 1,8 km während der letzten 200 Jahre immer wieder Sand akkumuliert, das Naturschutzgebiet wächst auch heute noch. Diese Zahlen geben einen kleinen Einblick in die Dynamik unserer Küste. Auch an den Binnenküsten treten Abtragungs- und Akkumulationsbereiche auf, wenngleich mit geringeren Beträgen. Hier bestimmen vor allem weite Verlandungsräume das Erscheinungsbild.
Informationen
LinkKüstenschutz MV
KarteMaßnahmen
(klein)

KarteMaßnahmen
(7,17 MB)
 
Die Küsten rund um das Stettiner Haff bieten ein abwechslungsreiches Bild von steilen und flachen Küstenabschnitten. Vor allem die Übergänge zwischen ihnen stellen aber Schwachstellen dar, an denen die Kräfte der Natur unermüdlich ansetzen können. Dies ist nicht zuletzt auch für den Menschen von Bedeutung, denn seit jeher suchen Menschen die Nähe zum Wasser. Für manche ist dieser Naturraum ein Ort der Erholung oder des Erlebens, für andere ist er die direkte Lebensgrundlage. So kommen an der Küste viele Interessen, aber auch Menschenleben zusammen, die vor Überschwemmungen und der damit verbundenen Zerstörung geschützt werden wollen. Wie groß die Bedrohung sein, kann zeigt ein trauriges Beispiel auf Usedom: Die zwischen Zempin und Koserow gelegene Ortschaft Damerow wurde von zwei Sturmfluten im November 1872 und im Februar 1874 so verheerend zerstört, dass die verbliebenen Bewohner sie aufgeben mussten. Und dies, obwohl der Ort zuvor über Jahrhunderte nach jeder Flut von den Anwohnern wieder aufgebaut worden war. An die Opfer der Sturmflut von 1872 erinnert noch heute ein Gedenkstein am alten Forsthaus. Damerow lag an der Wespentaille der Insel, lediglich 350 m trennen hier die Ostsee vom Achterwasser. Seit damals wurde Usedom an dieser Stelle insgesamt 9 mal von Sturmfluten in eine Nord- und eine Südinsel getrennt. Das Beispiel macht deutlich, dass technische Maßnahmen zum Schutz der Küste unabdingbar sind.
Informationen
LinkDamerow
PDF-DokumentBeispiel Streckelsberg
LinkFotos Streckelsberg
LinkBeispiel Ückeritz
PDF-DokumentHelfen Sie mit!
Maßnahmen zum Küstenschutz
Der Küstenschutz kennt verschiedene Methoden, um Brandung, Strömung und Sturmfluten entgegenzuwirken. So schützen Hochwasserschutzdünen oder ein Verbund aus Düne, Küstenwald und Deich weite Areale der flachen Außenküste. Dabei sind neben der Kronenhöhe der Hochwasserschutzdünen die Mächtigkeiten ihrer Sandkörper ausschlaggebend für die Sicherheit bei Sturmfluten. Die Kronenhöhen richten sich jeweils nach den örtlich festgesetzten Bemessenswasserständen (siehe Link). Für Hochwasserschutzdünen mit einer Höhe von 3,5 m ü HN (über Höhennull) sind für einen extremen Belastungsgrad Kronenbreiten von 40-45 m notwendig. Dünenbepflanzungen mit Strandhafer und die Integration des Waldschutzstreifens erhöhen den Wirkungsgrad von Dünen (sogenannte ingenieurbiologische Maßnahmen). Als naturnahe Maßnahme gelten demgegenüber Sandaufspülungen zur Verbreiterung von Strand und Schorre. Sie werden seit 1968 durchgeführt. Aber da sie lediglich vorübergehend das Sedimentdefizit ausgleichen, sind alle 6-8 Jahre Folgeaufspülungen notwendig. Allerdings kann der Wirkungsgrad von solchen Aufspülungen durch den zusätzlichen Ausbau des Buhnensystems erhöht werden. Buhnen sind 50-90 m lange Holzpfahlreihen, die senkrecht zum Ufer aufgestellt werden. Sie vermindern die uferparallele Brandungsströmung und setzen damit den Sedimenttransport herab.

Wellenbrecher hingegen werden dort eingesetzt, wo Flach- oder Steilküsten eine besonders große Rückgangstendenz haben. In einer Wassertiefe von 2-4 m und einer Entfernung von 50-200 m werden Wellenbrecher uferparallel aus großen Natursteinen errichtet. Durch sie wird die Seegangsbelastung gesenkt und es kommt zur einer vermehrten Anlagerung von Sand. Uferlängswerke wiederum (Deckwerke, Ufermauern, Steinwälle) kommen an jenen Stellen zu Anwendung, an denen die Möglichkeit für flächenintensive Schutzmaßnahmen nicht gegeben ist. Durch ihre statische Wirkungsweise gegenüber den dynamischen Prozessen der Ostsee verursachen sie allerdings Wellenreflexion und Brandungsströmung, die seeseitig verstärkte Abrasion hervorrufen und dort daher zusätzliche Maßnahmen erfordern.

In erster Linie ist Küstenschutz an der Außenküste von Nöten, da hier die einwirkenden Kräfte besonders groß sind. Zugleich sind funktionsfähige Schutzwerke an der Außenküste auch die Voraussetzung für die Funktion von Küstenschutzanlagen an den Binnenküsten. Die höheren und stärkeren Deiche, Dünen u.ä. der Außenküste mindern den schnellen Wasseranstieg an Binnenküsten während Fluten und verzögern ihn zeitlich. Peenestrom, Swine und Dziwna bilden bei Sturmfluten und Hochwässern unterdessen relativ geringe Zuflußquerschnitte in Bodden und Haffe. Auch in ihnen treten also generell niedrigere Wasserstände mit einer zeitlichen Verzögerung auf. Daher können Schutzanlagen an den Binnenkünsten entsprechend kleiner ausfallen als an den Außenküsten. Die Schutzfunktion für Ortschaften im überflutungsgefährdeten Gebiet übernehmen ausschließlich Deiche. Die Zuständigkeit dieser Deiche sowie der Schutz vor Sturmfluten und Hochwässern obliegt den Landesbehörden, für untergeordnete Deiche sind die Wasser- und Bodenverbände zuständig.
Informationen
PDF-DokumentBemessenshoch-
wasserstand

KarteWellenbrecher und Küstenverbau
PDF-DokumentGeneralplan Küsten- und Hochwasserschutz MV
PDF-DokumentEUROSION Westküste Polen
LinkWasser- und Bodenverbände MV

  

Hintergrundwissen - Lernmodule

Lernmodul Fallstudie Timmendorfer Strand Lernmodul Fallstudie Strand- und Dünenmanagement Warnemünde
 Fallstudie Bürgerbeteiligung im Küstenschutz - Timmendorfer Strand & Scharbeutz

Fallstudie Strand- und Dünenmanagement am Beispiel Warnemünde

Dokumente