Logo


Küsteninformationssystem Odermündung


Förderer
Diese Seite auf Deutsch Strona w jezyku polskim This page in English 
Impressionen: Stettiner Haff

Fischfauna

Die pelagische Fischzönose der Pommerschen Bucht wird durch den in der gesamten Ostsee vorkommenden Hering (Clupea harengus) dominiert. Sprotte (Sprattus sprattus), Lachs (Salmo salar) und Meerforelle (Salmo trutta f. trutta) sind weitere charakteristische Vertreter. Darüber hinaus wandern aus der Nordsee weitere pelagische Fischarten ein, die sich, ebenso wie einwandernde benthische Fischarten, hier nicht fortpflanzen. Charakteristische Gastfischarten sind die Makrele (Scomber sombrus), der Stöcker (Trachurus trachurus) und der Hornhecht (Belone belone) (Rechlin & Bagge 1996).

Zur benthischen Fischzönose der Pommerschen Bucht gehören wirtschaftlich bedeutsame Arten wie Dorsch (Gadus morhua), Flunder (Platichthys flesus), Scholle (Pleuronectes platessa), Kliesche (Limanda limanda) und Steinbutt (Psetta maxima). Neben diesen ständig in der südlichen Ostsee lebenden Arten, wandern auch aus den benachbarten westlichen Seegebieten benthische Arten als Gastfische ein. Diese fischereilich i.d.R. nicht genutzten Arten sind z.B. Wittling (Merlangius merlangus), Seezunge (Solea solea), Seelachs (Pollachius virens) und Schellfisch (Melanogrammus aeglefinus). Weitere ständige Bewohner der westlichen Ostsee mit mehr oder weniger starkem Vorkommen, aber ohne fischereiliche Bedeutung sind die benthisch lebenden Arten Aalmutter (Zoarces viviparus), Grundeln, Vierbärtlige Seequappe (Rhinonemus cimbrius) und Seehase (Cyclopterus lumpus). Eine weitere, fischereilich wichtige benthische Fischart ist der Flussaal (Anguilla anguilla) (Rechlin & Bagge 1996). Die Pommersche Bucht ist Weidegebiet für Dorsch und Plattfische (Pleuronectiformes) sowie für Süßwasserarten wie Zander (Stizostedion lucioperca), Plötz (Rutilus rutilus) und Flussbarsch (Perca fluviatilis). Die Oderbank ist ein wichtiges Aufwuchsgebiet für Plattfische.

Als Laich- und Aufwuchsgebiet für den Rügenschen Frühjahrshering ist der Greifswalder Bodden von überregionaler und internationaler Bedeutung. Die Küstenfischereiordnung M-V weist 48 Laichschongebiete aus, wovon sich 29 Gebiete im hier betrachteten Untersuchungsgebiet der Odermündungsregion befinden. Im Gebiet kommen viele Kleinfischarten vor. Diese nicht kommerziell genutzten Fischarten besitzen eine hohe ökologische Bedeutung. Sie sind die Nahrungsgrundlage für Wirtschaftsfische und für viele Seevögel. Laichgebiet für viele Fischarten sind die flachen Küstengewässer des Greifswalder Boddens mit den Makrophytenwiesen, Muschelbänken, Uferbereichen und Gelegegürteln (Bochert & Winkler 2001). Laichgebiet und bevorzugter Lebensraum für Jungfische ist der Flachwasserbereich des Greifswalder Boddens (Biester 1979, 1986; Jönsson et al. 1997), der lediglich 14 % der Gewässerfläche umfasst.

Die Artenliste für den Greifswalder Bodden umfasst 42 heimische Arten, 10 Irrgäste und vier Neozoen [Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), Karpfen (Cyprinus carpio), Marmorkarpfen (Hypophthalmichthys nobilis) und Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix)] (Bochert & Winkler 2001). Von 1994 bis 1997 wurden im Rahmen des GOAP-Projektes erstmals Jung- und Kleinfischgemeinschaften untersucht. Im Rahmen dieser Studie wurden 27 Arten nachgewiesen (Jönsson et al. 1998). Die Klein- und Jungfischgemeinschaft wird durch Stichlinge (Gasterosteidae), Grundeln (Pomatoschistus spec.), Sandaale (Ammodytes spec.) und Seenadeln (Syngnathidae) sowie durch den Nachwuchs von Hering, Flussbarsch, Plötz, Ukelei (Alburnus alburnus) und Flunder dominiert. Sie nutzen verschiedene Strategien, um bestimmte hydrographische Faktoren zu meistern (Salinität, Strömung) und gleichzeitig von der hohen Produktivität des Gewässers zu profitieren. Marine Arten wie der Hering suchen die flachen Küstengewässer zur Reproduktion auf. Limnische Arten wie Plötz und Flussbarsch laichen in Gebieten mit geringem Salzgehalt (Randgewässer, Peenestrom, Oderhaff). Die Jungfische dieser Arten wandern später in den Bodden ein. Die Flunder als typischer Ästuarbewohner laicht dagegen auf der Oderbank. Auch deren Nachwuchs besiedelt das gesamte Boddengebiet. Typische Phytalbewohner wie Seenadeln und Grundeln verweilen ganzjährig im Greifswalder Bodden (UmweltPlan & EMAU Greifswald 2001).

Ein besondere Stellung besteht für den Ostseeschnäpel (Coregonus labaretus balticus), dessen geographisches Verbreitungsgebiet sich auf die Region Peenestrom-Achterwasser und Haff im deutschen Ostseegebiet beschränkt. Aufgrund der Bestandsgefährdung der Art wurden ab 1992 Überlegungen geführt, durch künstlichen Besatz für eine Stabilisierung der Fänge zu sorgen. Seit 1995 wird in einem Feldexperiment der Besatz der Peenestrom-Achterwasser-Region und des Haffs mit Larven und Jungfischen des Ostseeschnäpels durchgeführt (Schulz 1997).

Im Rahmen der Untersuchungen der Fischlaichgebiete des Kleinen Haffs (Gosselck et al. 1999) wurde dort Laich vom Flussbarsch, Plötz, Blei (Abramis brama) und Dreistachligem Stichling (Gasterosteus aculeatus) erfasst. Fischlarven wurden von folgenden 9 Arten in den Laichschongebieten des Kleinen Haffs vorgefunden: Flussbarsch, Zander, Plötz, Blei, Güster (Blicca bjoerkna), Hering, Stint (Osmerus eperlanus), Dreistachligem Stichling und Kaulbarsch (Gymnocephalus cernuus). Anhand der fischereilichen Anlandungen im Haff können auch entsprechende Vorkommen für Aal und Hecht (Esox lucius) konstatiert werden. Das aufgeführte Fischartenspektrum verdeutlicht, dass im Oderhaff limnische Fischarten dominieren.

In der FFH-Richtlinie sind als relevante Arten des Anhangs II für die Odermündungsregion das Flussneunauge (Lampetra fluviatilis, regelmäßige Einwanderung in den Peenestrom zu den Laichgebieten), das Meerneunauge (Petromyzon marinus, sporadische Einzelmeldungen im Gebiet), die Finte (Alosa fallax, war zwar in den letzten drei Jahrzehnten im Gebiet nahezu verschwunden, wurde in den letzten Jahren aber wieder zunehmend gefangen), der Rapfen (Aspius aspius, gelegentliches Einwandern aus dem Peenestromgebiet in den Greifswalder Bodden), der Lachs (nur im Bereich der Laichgebiete im Süßwasser) und der Stör (Acipenser sturio, geplante Wiederansiedlung im Odermündungsgebiet) aufzuführen. Einzelexemplare des Flussneunauges werden regelmäßig im Oderästuar gefangen. Die wichtigsten Reproduktionsgebiete und Aufwuchsgebiete des jetzigen Bestandes liegen in den Peenezuflüssen (Waterstraat & Krappe 2000) und im Odergebiet (Witkowski 1996). Vermutlich gab es auch im Einzug des Greifswalder Boddens früher Laichplätze (Ryck), wobei dazu keine genauen Informationen vorliegen. Das Meerneunauge wird viel seltener in Einzelexemplaren gefangen (Winkler 1989). Vermutlich gibt es im gesamten Gebiet keine Reproduktionsplätze. Das Bachneunauge (Lampetra planeri) kommt im Bodden nicht vor. Durch von Thiel & Winkler (2005) durchgeführte Probennahmen und der mit diesem Vorhaben vorgenommenen gezielten Sammlung von Informationen aus der kommerziellen Fischerei, Sportfischerei und Fischereiforschung konnten die anadromen FFH-Anhang II-Fischarten Finte, Flussneunauge und Meerneunauge sowie der Schnäpel (Coregonus maraena) in der Pommerschen Bucht in den küstennahen Gewässern des Oderästuars sowie im Oderhaff nachgewiesen werden.


Karte Artenspektrum


Karte: Fischarten nach FFH
Verwendete Quellen für die kartographische Darstellung:
Jönsson, N., A. Busch, Th. Lorenz & B. Korth (1998): Struktur und Funktion von Boddenlebensgemeinschaften im Ergebnis von Austausch- und Vermischungsprozessen. In: Greifswalder Bodden und Oderästuar – Austauschprozesse (GOAP). Greifswalder Geographische Arbeiten 16.
Thiel, R. & H. Winkler (2005): Erfassung von FFH-Anhang II-Fischarten in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee (ANFIOS). Zwischenbericht über das F+E-Vorhaben für das BfN (FKZ: 803 85 220). Stralsund und Rostock. Fisch- und Laichschonbezirke M-V nach Verordnung zur Ausübung der Fischerei in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns (Küstenfischereiverordnung - KüFVO M-V).
 
Weitere verwendete Quellen:
Biester, E. (1979): Der Frühjahrshering Rügens, seine Rolle in der Fischerei der Ostsee und in den Übergangsgebieten zur Nordsee. Dissertation (B). Universität Rostock, 236 S.
Biester, E. (1986): Heringslarven und -jungfische. In: 15 Jahre Fischereibiologie. I. Fischereibiologische Herbsttagung vom 20. bis 21. Nov. 1986 in Rostock, S. 27 -37.
Bochert, R. & H.M. Winkler (2001): Ichthyofauna Greifswalder Bodden. Literaturstudie. Unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag der Energiewerke Nord GmbH, 25 S.
Gosselck, F., N. Schulz, H. Winkler & R. Lauterbach (1999): Untersuchungen des ökologischen Zustandes und der Eignung der in den inneren Küstengewässern des Landes eingerichteten Laichschonbezirke (unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern).
Jakobik, A. & W. Mateuszuk (1997): Fischerei in den polnischen Gewässern des Stettiner Haffs. In: Ergebnisse des deutsch-polnischen Seminars zur fischereilichen Bewirtschaftung des Stettiner Haffs und der Pommerschen Bucht. Fisch und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern e.V., Rostock, S. 42-46.
Rechlin, O. & O. Bagge (1996): Entwicklung der Nutzfischbestände. In: Lozán, J.L., R. Lampe, W. Matthäus, R. Rachor, H. Rumohr & H. von Westernhagen: Warnsignale aus der Ostsee. Kapitel 3.3.2, Parey Verlag Berlin: 188-196.
Schulz, N. (1997): Besatz- und Wiedereinbürgerungsmaßnahmen des Ostseeschnäpels (Coregonus lavaretus balticus) in der Vorpommerschen Boddenlandschaft. Ergebnisse des deutsch-polnischen Seminars zur fischereilichen Bewirtschaftung des Stettiner Haffs und der Pommerschen Bucht. Rostock 08.-10.12.1997, S. 24-27.
UmweltPlan & EMAU Greifswald (2001): Möglichkeiten zur nachhaltigen Entwicklung der vorpommerschen Ostseeküste im Bereich des EU-Vogelschutzgebietes „Greifswalder Bodden“ unter besonderer Berücksichtigung touristischer Nutzungen. Stralsund und Greifswald.
Waterstraat, A. & M. Krappe (2000): Beiträge zur Ökologie und Verbreitung von FFH-Fischarten und Rundmäulern in Mecklenburg-Vorpommern. 1. Das Flußneunauge (Lampetra fluviatilis L. im Peenesystem). Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern 35: 64-79.
Winkler, H.M. (1989): Fische und Fangerträge im Greifswalder Bodden. Meer und Museum 5: 52-58.