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Impressionen: Stettiner Haff

Hydrographie – Wasseraustausch und Salzgehalt

Der Wasseraustausch in der Odermündungsregion beeinflusst deren ökologische Verhältnisse maßgebend. Eine zusammenfassende kartographische Darstellung der Prozesse des Wasseraustausches ist schwierig, weshalb nachfolgend lediglich eine kurze textliche Erläuterung vorgenommen wird. Im engen Bezug zum Wasseraustausch steht der Salzgehalt, der entsprechend der hydrodynamischen Prozesse eine hohe zeitliche und räumliche Variabilität in der Odermündungsregion aufweist (siehe Abbildungen). Die erstellte Karte zeigt die räumlichen Unterschiede anhand des mittleren Salzgehaltes des Zeitraums 1992 bis 1999.

Die hydrographischen Bedingungen der Region werden durch die Süßwasserzufuhr der Oder bestimmt, die ca. 95 % der Landabflüsse für die Pommersche Bucht umfasst. Dabei sind starke saisonale und jährliche Unterschiede in Abhängigkeit von den witterungsbedingten Abflussverhältnissen im Einzugsgebiet der Oder gegeben (Mohrholz 1998). Über die Oder fließen ca. 17 km³ Flusswasser pro Jahr in das Oderhaff. Von der Ostsee strömen dagegen nur ca. 7 km³ salzhaltiges Wasser in das Haff ein (Lampe & Meyer 1995, Lampe 1998). Dadurch besteht im Oderhaff nur ein geringer Salzgehalt von 1 bis 2,5 PSU (practical salinity unit).

Der Wasseraustausch zwischen Oderhaff und Pommerscher Bucht, der von wind- und strömungsinduzierten Wasserstandsschwankungen geregelt wird, vollzieht sich in pulsartigen Ein- und Ausstromereignissen. Bei Ausstrom gelangen relativ abgeschlossene Frischwasserblasen in die Pommersche Bucht (Correns 1973, Majewski 1980, Mohrholz 1998). Die Swine mit dem Piastowski-Kanal haben mit ca. 69 % den größten Anteil am Wasseraustausch im Jahresdurchschnitt. Mit ca. 14 % für die Dzwina und 17 % für den Peenestrom ist deren Anteil deutlich geringer (Mohrholz 1998).

Nachfolgende Abbildung zeigt den räumlichen Gradienten des Salzgehaltes vom Oderhaff über den Peenestrom und den Greifswalder Bodden bis zur Pommerschen Bucht, wobei aufgrund der Darstellung von Minimum- und Maximumwerten indirekt auch die zeitliche Variabilität deutlich wird.

Saliniät im Oderästuar
Abbildung: Salinität im Längsprofil des westlichen Oderästuars
1993 bis 1996 (Meyer et al. 1998)

Im oligohalinen Oderhaff sind die geringsten Salinitäten im Bereich der unmittelbaren Einmündung der Oder zu verzeichnen (ca. 0,7 PSU mittlerer Salzgehalt). Von der Odereinmündung ist ein steigender Gradient des Salzgehaltes zur Swina und nach Westen zum Peenestrom charakteristisch. Im Großen Haff sind im Bereich des Schifffahrtskanals temporär deutlich erhöhte Salzgehalte durch Einstrom aus der Pommerschen Bucht über die Swine zu beobachten. Solche Salzwassereinbrüche, die im Zusammenhang mit winterlichen Sturmhochwasserverhältnissen verstärkt auftreten, führen zu einer Saisonalität des Salzgehaltes (Meyer et al. 1998, Mohrholz 1998).

Aufgrund des Süßwassereinflusses der Peene treten im südlichen Peenestrom teils geringere Salinitäten als im Kleinen Haff auf. Im Achterwasser können sich aufgrund des geringen Wasseraustausches extreme Verhältnisse, wie z.B. erhöhte Salzgehalte, die durch Salzwassereinbrüche verursacht werden, über längere Zeiträume halten. Für den nördlichen Peenestrom sind wechselnde Ein- und Ausstromlagen charakteristisch (Meyer et al. 1998). Entsprechend stark fluktuiert der Salzgehalt im Mündungsbereich des Peenestroms zwischen 1 und 8 PSU. Diese Schwankungen erfolgen entsprechend den Pegelschwankungen überwiegend stochastisch (Abb.), denn der Wasseraustausch zwischen dem Greifswalder Bodden und der Pommerschen Bucht wird primär durch die meteorologischen Bedingungen (Wind, Luftdruck) gesteuert.

Salzgehalt an der Station P20
Abbildung: Jahresgang des Salzgehalts im Zeitraum 1995-2002 an der
Station P 20 im nördlichen Peenestrom (langjähriges Mittel 3,4 PSU)
(Daten LUNG M-V)

Der Greifswalder Bodden ist ein β-mesohalines Gewässer. Langjährige Messreihen des LUNG MV seit 1975 ergaben für den Zentralen Greifswalder Bodden Salzgehaltswerte zwischen 5,5 und 10,7 PSU (LUNG M-V 1998). Der mittlere Salzgehalt beträgt ca. 7 PSU. Geringe räumliche und saisonale Variationen im Salzgehalt um Beträge von nur +/- 2 PSU sind für den Bodden charakteristisch. Vertikale haline Schichtungen des Bodden-Wasserkörpers sind selten, können jedoch im Bereich der Peenestrommündung auftreten, wenn sich salzhaltiges Wasser über Wasserschichten mit einem geringeren Salzgehalt schiebt (Meyer et al. 1998).

Die Pommersche Bucht ist ebenfalls ein β-mesohalines Gewässer. Der mittlere Salzgehalt beträgt im Norden des Gebietes ca. 8 PSU und im Bereich der Boddenrandschwelle bzw. der Swinemündung 6-7 PSU (LUNG M-V 1998). Der Wasserkörper der Pommerschen Bucht ist in der Regel nicht halin geschichtet. Gelegentlich kommt es aber über die Saßnitzrinne zum Einstrom salzreicheren Wassers aus dem Arkonabecken (Auftrieb bei anhaltendem SW-Wind, Nehring et al. 1995). In diesen Phasen ist eine haline Schichtung in einer Tiefe von 12-15 m vorübergehend anzutreffen.

Karte: Salzgehalt
Verwendete Quellen für die kartographische Darstellung:
Bangel, H. (2004): Die Repräsentativität des Monitorings im Oderästuar – neue Anforderungen vor dem Hintergrund der Wasserrahmenrichtlinie. In: Schernewski, G. & T. Dolch: The Oder Estuary – against the background of the European Water Framework Direktive. Meereswissenschaftliche Berichte 57.
IOW - Institut für Ostseeforschung Warnemünde & LUNG M-V - Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (1998): Gewässergütebericht 1996/97.
LUNG M-V - Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (2001): Gewässergütebericht 1998/99.
LUNG M-V - Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (2004): Gewässergütebericht 2000/2001/2002.
 
Weitere verwendete Quellen:
Correns, M. (1973): Beitrag zum Wasserhaushalt des Oderhaffs. Berliner Geographische Arbeiten 56: 693-704.
Lampe, R. (1998): Das Oderästuar als Filter und Transformator. In: Greifswalder Bodden und Oderästuar – Austauschprozesse (GOAP). Greifswalder Geographische Arbeiten 16.
Lampe, R. & H. Meyer (1995): Sedimentqualität und hydrographische Bedingungen – ein Vergleich verschiedener Boddengewässer. BODDEN 2: 7-26.
Majewski, A. (Hrsg.) (1980): Zalew Szczecinski. Warzawa, Institut Metereologii i Gospodarki Wodnej. Wydawnictwa Komunikacji i Lacznosci. 339 S..
Meyer, H., R. Lampe, P. Jonas & K. Buckmann (1998): Nährstoffe im Oderästuar - Transporte und Inventare. In: Greifswalder Bodden und Oderästuar – Austauschprozesse (GOAP). Greifswalder Geographische Arbeiten 16.
Mohrholz, V. (1998): Transport- und Vermischungsprozesse in der Pommerschen Bucht. Meereswissenschaftliche Berichte 33. Institut für Ostseeforschung Warnemünde.
Nehring, D., Matthäus, W., Lass, H.U., Nausch, G. & K. Nager (1995): The Baltic Sea in 1995 - beginning of a new stagnation period in central Baltic deep waters and decreasing nutrient load in its surface water. Dt. Hydrogr. Z. 47: 319-327.